USA 2008

 

QQQ-Treffen in Monmouth / Natchez 2008






Unsere Quitmann Reise 2008  in die USA

Heide und Manfred Wiese

 

Nach langer Planung war es am 1. Juli endlich so weit: wir standen am Flughafen Frankfurt fertig zum Abflug, wurden aber erst mal mit den Folgen des Streiks des LUFTHANSA-Bodenpersonals konfrontiert und flogen schließlich mit „nur“ 2 Stunden Verspätung ab.

Washington empfing uns mit strahlendem Sonnenschein und entsprechender Hitze, was uns aber nicht abhielt, in den folgenden Tagen die interessante Stadt und ihre Museen ausgiebig zu erkunden.


 

 

Das weiße Haus in Washington

 

 

Wir hatten allerdings auch einen kleinen Punkt in Sachen „Quitman-Forschung“ auf dem Programm, nämlich nachzuforschen, wo das Gemälde geblieben ist, das John A. Quitman zeigt und das jahrelang zunächst im Kapitol hing (Quelle: Lore Quitmann), von dort aber zwischen 1969 und 1979 in den Obersten Gerichtshof verlagert wurde (Quelle: Wolfgang Reith). Wir fragten uns also  bis zum Office des Curators des Supreme Courts durch – denn in den Treppenhaus, wo es einmal hing,  hatten wir es nicht entdeckt – und man versprach uns, im Archiv nachzuforschen und uns Nachricht zu geben und nach Möglichkeit ein gutes Foto von dem Bild anzufertigen. Der Supreme Court informierte uns inzwischen, dass sie leider nichts finden könnten, dass aber in der Gemäldesammlung des US-Senats ein Bild von der Schlacht bei Chapultepec gelistet sei, einer Schlacht, in der John A. Quitman eine führende Rolle spielte. Mit dem Senat sind wir jetzt in Kontakt, ob es sich bei dem Reiter im Zentrum des Bildes um John A. Quitman handelt.

Die Schlacht von Chapultepec, Gemälde von J. Walker, 1858

Nach 4 Tagen ging es dann zurück zum Flughafen, wo wir ein „kleines“ Auto reserviert hatten, aber einen stattlichen Mittelklassewagen erhielten. Wir lernten, dass unsere Vorstellungen von „klein“ , „wenig“ und „Nähe“ erst einmal den amerikanischen Größenvorstellungen angepasst werden mussten, denn „ganz in der Nähe“ konnte durchaus 40 Meilen bedeuten und „wenig Ketchup“ war eine halbe Flasche voll.

Kein Wunder, dieses Land ist riesig, es gibt Platz ohne Ende, breite Straßen, große Grundstücke riesige Essensportionen - selten wird aufgegessen, was auf dem Teller ist. Entweder wird es weggeworfen oder in einer “Doggy-Box” mitgenommen. Jetzt wußten wir auch, warum fast alle Hotelzimmer mit einer Mikrowelle ausgestattet waren. In den seltesten Fällen waren den Hotels Restaurants angeschlossen.

 Die nächsten Tage erlebten wir im Shennandoah Park und auf dem Blue Ridge Parkway in den Appalachen einen Teil der USA von seiner allerschönsten Seite.

HIER ist ein Link zu schönen Aufnahmen von dem Parkway, die ich nicht schöner hätte machen können

Wirklich atemberaubende Ausblicke zu beiden Seiten der nahezu leeren über 400 Meilen langen Straße – und auf der gesamten Strecke ( !!!) nicht eine einzige Plastiktüte, nicht eine einzige weggeworfene Coladose am Wegesrand. Das hat uns wirklich beeindruckt. Man darf zwar alles wegwerfen - aber nur in entsprechende Behälter. Hohe Strafen werden verhängt, wenn man das nicht beachtet.

Es war kein Problem ein Hotel für die Nacht zu finden. Die in jedem Bundesstaat kurz hinter der Staatsgrenze an den Highways errichteten “Welcome Center” statteten uns nicht nur mit hervorragendem Kartenmaterial und Broschüren über den jeweiligen Staat aus, sondern auch mit Übernachtungscoupons für günstige Übernachtungen mit bis zu 60% Rabatt z.B. in Best Western Hotels und guten Motels. Allerdings war das „Continental Breakfast De Luxe“ gewöhnungsbedürftig – es gab nur Pappbecher, Pappteller und Plastikbesteck sowie eine kleine Auswahl an süßen Cookies, Toast und man konnte sich selbst Waffeln backen. Wir nahmen es , wie es kam, denn Monmouth lag ja noch vor uns. 

Nachdem wir uns zwei typiche Südstaatenstädtchen – Ashville und Charlston – angesehen hatten, in denen wir wegen der inzwischen nun fast unerträglichen Hitze immer wieder in ein Museum „flüchten“ mussten, stand der nächste „Quitman – Programmpunkt“ auf dem Programm: Besuch des Städtchens Quitman /Georgia.

Die Stadtverwaltung in Quitman/Georgia


sowie des „Quitman-County“ in Georgia

 

Ein Informationsschild vor dem Courthouse des County Quitman/Georgia

und des Städtchens Quitman-Mississippi.

 

 

Das Courthouse in Quitman/Mississippi

Alle drei Orte wurden 1858 nur Tage oder wenige Wochen nach dem Tod von John A. Quitman nach ihm benannt. Wir sind auf der Suche nach den Sitzungsprotokollen, in denen diese Namensgebung beschlossen wurde und alle wollen uns helfen, sie zu finden.

Es war schon ein etwas eigenartiges Gefühl, seinen Namen auf den High-Way-Hinweisschildern und auf allerlei lokalen Schildern zu lesen. Auch die Polizei trug natürlich unseren Namen.
 

 

Highway-Ausfahrt Quitman/Georgia                     

Wir wurden mit großer Herzlichkeit – wie wirklich überall in den USA – und großem Interesse empfangen, erhielten aber nur wenig zusätzliche Informationen und noch keine Dokumente – im Gegenteil – man war an unseren Informationen über die QQQs in Deutschland und Amerika interessiert, da das Wissen über das Leben der Person, die der Stadt oder der Gegend ihren Namen gab, nur sehr gering oder gleich NULL war. Wir knüpften aber persönliche Kontakte mit den Stadt-Verwaltungen und sind sicher, dass sie uns weiterhelfen werden. 

Auf dieser Fahrt, die uns fast 6000 km durch die US-Staaten Virginia, Nord- und Süd-Carolina, Georgia, Alabama, Mississippi, ganz kurz auch nach Louisiana und nach Tennessee führte, waren wir wieder einmal beeindruckt von der Weite des Landes, von den leeren, breiten Straßen – aber wir sahen auch die Isoliertheit der Bewohner. Typisch dafür, wie wenig sich die Bewohner in ihrer unmittelbaren Umgebung auskennen war ein Erlebnis in Quitman/Georgia. Wir fragten an einer Tankstelle , wo denn die „Chamber of Commerce“ sei – dort befand sich nämlich das Stadtarchiv und das Tourismus Büro. Zwei Männer sahen sich ratlos an, hatten aber keine Ahnung ……… es war im Haus unmittelbar neben der Tankstelle, keine 50m entfernt! Wir haben natürlich der Chamber of Commerce empfohlen, sich mal bei ihren Nachbarn vorzustellen.

Begeistert waren wir außerdem von den wunderschönen großen Naturparks mit ihrer Vielfalt an Pflanzen und Tieren – aber auch dort waren wir fast immer allein.

 

Ein Seerosenteich in Quitman County

Wir haben – mit Ausnahme von Washington – ganz bewusst die großen Städte gemieden und haben uns auf Nebenstraßen durch das Land bewegt.

 So langsam rückte dann nach 14 Tagen Monmouth näher. Die letzten 80 Meilen fuhren wir auf dem Natchez Trace, einer sehr ruhigen Straße, die die ganze Zeit durch ein parkähnliches Gelände führt, aber immer wieder mit informativen Tafeln auf die lange und wechselvolle Geschichte dieses alten Indianerpfades hinweist. Dann kamen wir schließlich am 14.7.in Natchez an und sahen Monmouth, wie wir es von den Fotos her kennen. Wir wurden von Ron und Lani Riches und ihrem gesamten Personal aufs Herzlichste empfangen, die uns in den nächsten Tagen mit ihrer großzügigen Gastfreundschaft immer wieder überraschten.

 

Lani und Ron Riches





unser Kellner Roosevelt beim Coctail mixen im Gartenpavillon

Manfred und ich hatten dann die Ehre, in dem Original-Bett des Generals schlafen zu dürfen, was sicherlich gut gemeint war, bei mir aber auch andere Gefühle hervorrief, denn in genau diesem Bett war er schließlich vor genau 150 Jahren gestorben. Ich habe es aber überlebt.
 

 

Unser Zimmer mit dem Originalbett von J.A. Quitman

So nach und nach kamen dann die anderen Quit(t)män(n)er auch an. Ron und Lani Riches, die heutigen Besitzer von Monmouth begrüßten jeden wie alte Freunde und Hausdame Peggy las uns jeden Wunsch von den Lippen ab und kümmerte sich um alles. Wir erhielten eine ausführliche Führung durch die historischen Räume mit vielen Erinnerungsstücken, Fotos und der alten Familienbibel. Leider werden wir aber auch so ziemlich die letzten Besucher gewesen sein, die Monmouth noch in dieser Form gesehen haben, denn das riesige Grundstück ist teuer in der Unterhaltung und die 50 Beschäftigten müssen bezahlt werden. Die Küche wurde bereits umgebaut und in Kürze werden die schöne alte Eingangshalle und die historischen Räume im Erdgeschoß zu Restauranträumen umfunktioniert werden. Im hinteren Bereich des Parks ist bereits ein Konferenzzentrum in Betrieb und ein Wellnessbereich geplant. Trotzdem werden Ron und Lani Riches viel von der Privatatmosphäre des Quitman-Hauses zu erhalten versuchen – ob es tatsächlich gelingen wird, muss sich erst noch zeigen.

 

 

 Die Quitmann-Gruppe vor dem Eingang von Monmouth 

(Paul Gerhard und Klaus Quitmann fehlen)


Da Pauline, Clive und Richard Quitmann aus Großbritannien schon am 17. 8. wieder fahren mussten, verlegten wir den gemeinsamen Besuch des Friedhofs mit den über 20 Quitman-Grabstellen auf den 16.7. Wir wurden von der reizenden Historikerin Cynthia und ihrem Mann Steven begleitet, die gerade ihre Doktorarbeit über die Geschichte von Monmouth schreibt. So war es kein Problem, auf dem riesigen Stadtfriedhof die Quitmann Gräber zu finden, die viele Jahre vor uns schon Dieter und Dorothea Quitmann und Barbara Lutt besucht hatten.

 

 

Quitman-Gräber auf dem Stadtfriedhof in Natchez

Für einen ausführlichen Bummel durch die schönen Straßen von Natchez , vorbei an hunderten von interessanten Südstaatenvillen, war es allerdings zu heiß, das mussten wir vom klimatisierten Auto aus machen.

 

 

Ein Beispiel für viele: Haus Longwood

( mit sehr interessantem achteckigen Grundriss)

 


Überraschenderweise hatte aber ein Freund der Riches - Buzz Harper, der sie schon seit Jahrzehnten bezüglich der Antiquitäten und Quitman-Erinnerungsstücke beraten hatte- uns alle zu einem Champagner-Cocktail eingeladen. Wieder sahen wir ein phantastisches Haus, umgeben von einem traumhaften Garten, und genossen nach der Hitze auf dem Friedhof die Kühle des eleganten Hauses und den erfrischenden Champagnercocktail, formvollendet serviert von seinem ganz in weiß gekleideten schwarzen Diener.

 

 

    Das Haus mit ca. 1800 m² Vorgärtchen             


    Im Salon wurde der Coctail serviert


Als Paul Gerhard Quitmann den Flügel sah, musste er ihn natürlich spielen und Buzz Harper wünschte sich ein Musikstück nach dem anderen und genoss das kleine Konzert sichtlich.


  Paul Gerhard Quitmann am Klavier bei Buzz Harper


Abends waren wir dann alle von Lani und Ron Riches zu einem festlichen,großen Abendessen mit Kerzenbeleuchtung eingeladen. Den Cocktail zuvor und einige Snacks wurden uns in der alten Eingangsdiele und im historischen Dining Room serviert, der aber leider für das Abendessen zu klein war. Das 5-gängige Fest-Menu anschließend gab es im Gartenpavillon, wo Roosevelt mit unnachahmlicher Eleganz zunächst das Menu deklamierte und wo es formvollendet dann serviert wurde – nicht auf Papptellern, sondern auf edlem Porzellan mit Silberbesteck und Stoffserviette natürlich.

Beim Nachtisch kam dann zu aller Überraschung - laut Happy Birthday singend - ein kleiner Chor der Angestellten , angeführt von Ron Riches, mit Geburtstagstorte und Kerze mit gemessenem Schritt auf einen Tisch zu. Wer hatte Geburtstag? Jan Napieralski wurde 14 Jahre alt.. Er war mit seinen Großeltern Manfred und Erika Quitmann aus Oberhausen angereist und hatte sich bereits in den ersten Tagen als fähiger Navigator für den großen Campingwagen und als Übersetzer für seine Großeltern bewährt ,

Regelrecht sprachlos waren aber nicht nur Jan sondern wir alle, als Ron Riches ihm am Ende seiner sehr wohlformulierten Rede ein großes altes, schön gerahmtes Bild von John A. Quitman überreichte, in dem auch in einem Extrafenster eine Originalunterschrift von John A. Quitman eingelassen war und ihn verpflichtete, als jüngster Teilnehmer dieses Treffens dafür zu sorgen, dass dieses 160 Jahre alte wertvolle Bild immer in der QQQ Familie bleiben solle und niemals verkauft werden dürfe. Wir waren alle so überrascht, dass niemand daran dachte, diesen historischen Moment im Bild festzuhalten - leider!Es war der Höhepunkt des ganzen Aufenthaltes und diese einzigartige Stimmung wird sich wohl nicht wiederholen lassen. Jan wird sicherlich noch separat über dieses Ereignis berichten und ein Foto seines Geschenkes und den Text der Widmung beisteuern.

Aber auch diese schönen Tage gingen irgendwann zu Ende. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück hieß es packen und Abschied nehmen. Clive, Richard und Pauline Q. waren bereits am Vortag abgereist, Phil und Peter Quittman aus Californien und ihre Frauen Pat und Julia waren schon am frühen Morgen aufgebrochen und die deutschen Qs konnten sich so eigentlich gar nicht trennen, aber die Interessen waren unterschiedlich. Klaus und Monika Quitmann zog es nach Memphis und Nashville, Paul Gerhard und Heidi Quittmann hatten noch 6 Tage New Orleans eingeplant, Manfred und Erika Quitmann, die noch für geraume Zeit ja mit einem großen Wohnwagen unterwegs waren, brauchten erst einmal Zeit, sich mit dem Wagen und den Straßenverhältnissen vertraut zu machen und Manfred und ich wollten noch nach Chattanooga zu den Shaws, Millers und Webbs, die wegen des kürzlichen Todes von Earl Shaw, Gerrys Mann, nicht nach Natchez kommen wollten.

 

In Chattanooga gab es dann am 19.7. ein sehr schönes, harmonisches 2 stündiges Treffen mit der Familie:

Es waren gekommen:

Gerry Shaw

Gerrys Tochter Sandy mit Ehemann Larry Webb und Sohn Daniel

Gerrys Tochter Trudy mit ihrem Mann Warren (ihre Kinder konnten leider nicht aus Kalifornien kommen)

Candy Shaw. erste Ehefrau des im letzten Jahr verstorbenen Beezy Shaw mit ihren Kindern:

Brian Shaw mit Ehefrau Mary und Tochter Kylie

Erin mit Ehemann Kenny und Töchterchen Charlotte

Sunny Shaw

Tracy Shaw, zweite Ehefrau von Beezy Shaw mit Tochter Elsie


 


Die große Sensation in Chattanooga in diesen Tagen war, dass VW gerade bekannt gegeben hatte, dass sie in Chattanooga ein Automobilwerk bauen wollen, dass 2000 - 3000 Arbeitsplätze bieten wird und in dem 3 Modelle gebaut werden sollen. Überall schlug uns Sympathie entgegen, wenn wir sagten, dass wir aus Deutschland kämen.

Nach dem Besuch in Chattanooga waren wir aber richtig erschöpft. Wir waren fast 6000 km durch das Land gefahren, hatten viel gesehen, hatten viel geredet, hatten Berge von Prospekten und Broschüren gesammelt und sehnten uns nun nach Ruhe. Die fanden wir auch in einem kleinen Berghotel, 1200 m hoch südlich der Smokey Mountains. Wir waren die einzigen Übernachtungsgäste und genossen die Stille, den traumhaften Ausblick über die Berge in die Täler, die romantischen Sonnenuntergänge von unserem Balkon aus und - das war dann wirklich das Allerwichtigste - wir konnten endlich mit offenem Fenster und ohne Klimaanlage schlafen!!!

Für uns war es eine rundum gelungene Reise, die wir sehr genossen haben!


 
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